Jacqueline Veuve

Cinéaste et ethnologue (1930-2013)

La mort du grand-père ou Le sommeil du juste (Jacqueline Veuve)

Der Tod des Großvaters oder: Der Schlaf des Gerechten

La mort du grand-père ou Le sommeil du juste

Schweiz 1978. 16mm; Beta/VHS, Farbe, 87 min.
 

Image: La mort du grand-père ou Le sommeil du juste 

affiche


Das Leben und Sterben des 91 Jahre alt gewordenen Uhrenindustriellen Jules Raymond, geschildert von seinen vier heute auch über 70 jährigen Töchtern, gefilmt von seiner Enkelin Jacqueline Veuve.
Das Leben: Sohn eines Kleinbauern aus dem Valée de Joux (geb. 1863); Lehre als Uhrmacher; Gesellenprüfung; Heirat; erste kleine eigene Uhrenwerkstatt im Valée de Joux; Fabrik in Lucens; ständiger Ausbau, Fleiss, Genügsamkeit, Beharrlichkeit, Erfindergeist, Geiz; Auszahlung der Töchter; Obergabe des Betriebs an den einzigen Sohn; Weiterarbeit im eigenen Werk, fast bis zum Tod; schliesslich das friedliche Sterben (1954), nach einem, wie man so sagt, reich erfüllten Leben. Das Sterben: Der 91jährige Grossvater, von seinen Töchtern und seinem Sohn umgeben, ruhig auf seinen Tod wartend, seine um sein Totenbett versammelten fünf Töchter und den Sohn zählend und noch eine siebente Person sehend, die »auf ihn wartet« (vermutlich seine ihm im Tode vorausgegangene Frau).
 

RegieJacqueline Veuve
DrehbuchJacqueline Veuve
KameraWilly Rohrbach
TonPierre-André Luthy
SchnittEdwige Ochsenbein
MitarbeitSupervision: Georg Janett
Dauer87 min.
Format16mm; Beta/VHS, Farbe
Versionenfrançais; ST: english, deutsch
Verkauf DVD/VideoVHS  [bestellen
Festivals/PreiseQuality award (Swiss Federal Office of Culture). Selected by FIPRESCI for Locarno Festival 1978. Festival Film de Femmes, Créteil 1979. Shown by Pro Helvetia abroad.
ProduktionAquarius Film Production
WeltrechteAquarius Film Production
Verleih SchweizAquarius Film Production, CH-1808 Les Monts-de-Corsier
Tél. +41 21 921 18 20 – Fax +41 21 921 78 31
E-mail: info@jacquelineveuve.ch – Mitteilung senden
Verleih internationalFrance:
Visionnement: Bibliothèques publiques, cf. www.culture.gouv.fr
ErstaufführungSoleure 1978
LiteraturJ.Veuve, La Mort du Grand-Père. Lausanne 1983.


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Pressestimmen


Aus persönlichen Erinnerungen, Aussagen von Verwandten, alten Photos und Aufnahmen der leer gewordenen Räume, in denen er einst gelebt hatte, läßt die Filmautorin ein von Liebe getragenes und dennoch nicht unkritisches Bild ihres verstorbenen Großvaters entstehen. Jacqueline Veuve gelingt es hier mit einfachen Mitteln, den Dokumentarfilm in die Nähe des Filmpoems zu führen.

Neue Zürcher Zeitung

Jacqueline Veuve geht hart um mit ihrer eigenen Sensibilität, ihrer Aussenseiter-Faszination für die Präzisionsarbeit der Fabrik, die ihre Familie geprägt hat: mittels eindrücklicher Grossaufnahmen, der Darstellung von Präzisionswerkzeugen und trockenen Arbeitsgängen, dem Rot und Gold der Uhrwerke wird die Lebensart gezeigt, die um diese Gegenstände von vollkommen verschlossener Schönheit und Unausweichlichkeit entsteht.

Cinéma, mai 1979

Das aus Erinnerungsbildern seiner Töchter zusammengesetzte Puzzle ergibt das Bild dieses eigenwilligen Patriarchen und seiner Familie, gleichzeitig aber auch der Epoche der aufstrebenden Uhrenindustrie in unserem Lande, hier des Familienunternehmens Jules Raymonds in Lucens. Abwechselnd hören und sehen wir die vier Töchter und ihre Erinnerungsbilder, belegt durch alte Photos, Aufnahmen aus dem Werk, einem kurzen Familienfilmen aus dem Jahre 1937 (der goldenen Hochzeitsfeier), dazwischen geblendet Aufnahmen eines Arbeiters, der unter Jules Raymond gearbeitet hat.

Das allein wäre noch kaum Grund genug, diesen Film anzuschauen. Hauptgrund ist vielmehr, mit wie viel Einfühlungsvermögen und Taktgefühl es Jacqueline Veuve, einer Enkelin Jules Raymonds, gelungen ist, unaufdringlich, oftmals hintergründig, dafür aber umso tiefer schürfend zahlreiche andere Probleme mit einzuflechten: Das schöne ruhige Sterben dieses Patriarchen und damit der Mythos um das Sterben eines Menschen überhaupt. Dann "Monsieur Raymond", der ein Leben lang hart gearbeitet hat, seine Familie zum Arbeiten im eigenen Betrieb anhält und vor allem die Töchter ausbeutet; ein Patron, der durch seine eigene Hingabe und seinen Fleiss sich das Aufbegehren seiner Arbeiter und der arbeitenden Familienmitglieder vom Leibe halten kann. Er konnte selber jedem noch etwas vormachen, und so durfte er denn im Betrieb auch jeden abkanzeln. Daneben dann wieder der zwar gestrenge, unnachgiebige, aber in seiner Art doch gütige Patriarch und Patron. Diese Welt ensteht vor uns, ruhig, still, ohne Anklage, in intimen, unter die Haut gehenden Bildern der erzählenden Töchter und ihrer Umwelt - des despotischen, geizigen, aber rechtschaffenen Grossvaters, der, weil ihm der Schuhmacher zu teuer war, seine Schuhe selber flickte.

Die rätselhafte Passage des Sterbens fliesst über in die Darstellung der Belegschaftsversammlung mit ihren falschen Tönen von "oben und unten", nicht polemisierend oder gar polternd, sondern leise, so leise wie der ganze Film, und gerade deshalb ans Mark greifend. Ein Film also, der vorn Gestalterischen wie von der Aussage her viel Stoff zum Nachdenken hergibt, in allen Kreisen.

[Katalog SABZ]

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